Was „steuereinfach" konkret bedeutet
Ein steuereinfacher Broker wickelt die österreichische Kapitalertragsteuer für dich ab: Bei jeder Ausschüttung, jedem Verkauf mit Gewinn und bei den jährlichen ausschüttungsgleichen Erträgen (agE) thesaurierender Meldefonds behält er automatisch 27,5 % KESt ein und führt sie ans Finanzamt ab. Deine Erträge sind damit endbesteuert – sie müssen nicht mehr in die Steuererklärung, und auch den Verlustausgleich innerhalb des Depots erledigt die Bank im Kalenderjahr automatisch.
Steuereinfach heißt also nicht „weniger Steuern", sondern „keine Arbeit mit den Steuern". Der Steuersatz ist überall derselbe – die Grundlagen dazu findest du im Guide ETF-Steuern in Österreich.
Technisch steckt dahinter meist eine inländische Abwicklung: entweder eine österreichische Bank oder eine österreichische Zweigniederlassung eines ausländischen Anbieters, die als depotführende Stelle zum KESt-Abzug verpflichtet ist. Für dich als Anleger zählt am Ende nur das Ergebnis – mit dem Abzug ist die Steuer erledigt.
Die Alternative: Selbstveranlagung per E1kv – der ehrliche Aufwandscheck
Wer bei einem nicht steuereinfachen Broker investiert, muss seine Kapitalerträge selbst erklären: mit dem Formular E1kv, der Beilage zur Einkommensteuererklärung. Die Frist dafür ist grundsätzlich der 30.4. des Folgejahres in Papierform bzw. der 30.6. über FinanzOnline. Was das praktisch bedeutet, unterschätzen viele:
- Alle Erträge selbst erfassen: Jede Ausschüttung, jeder realisierte Gewinn und Verlust des Jahres muss zusammengetragen und in Euro umgerechnet werden – die Abrechnungen ausländischer Broker folgen dabei nicht der österreichischen Steuerlogik.
- agE selbst berechnen: Bei thesaurierenden Meldefonds musst du die ausschüttungsgleichen Erträge aus den OeKB-Steuerdaten (my.oekb.at) für jeden einzelnen Fonds heraussuchen, auf deine Stückzahl umlegen und zusätzlich die steuerlichen Anschaffungskosten korrekt fortschreiben – über Jahre hinweg. Das ist der fehleranfälligste Teil.
- Verlustausgleich manuell: Was die steuereinfache Bank automatisch verrechnet, musst du hier selbst korrekt gegenrechnen.
- Fehlerrisiko trägst du: Falsch berechnete agE oder vergessene Erträge sind kein Kavaliersdelikt – im schlechtesten Fall drohen Nachzahlungen samt finanzstrafrechtlicher Konsequenzen.
- Oder du kaufst dir Hilfe: Viele lagern die E1kv an eine Steuerberatungskanzlei aus. Deren Honorar fällt dann jedes Jahr an und kann die Gebührenersparnis eines günstigen Auslandsbrokers schnell aufzehren.
Unterschätzter Punkt: Die Selbstveranlagung ist keine einmalige Aktion, sondern eine jährliche Pflicht – für jedes Jahr, in dem du das Depot hältst, auch wenn du nichts verkaufst (agE!). Wer 30 Jahre lang bespart, verpflichtet sich zu 30 Steuererklärungen.
Diese Broker sind aktuell steuereinfach
Stand Juli 2026 führen unter anderem folgende für Österreich relevante Anbieter die KESt automatisch ab:
- Trade Republic ✓ steuereinfach – seit 24.04.2025 über die Wiener Zweigniederlassung, inklusive laufendem Verlustausgleich. Kombination aus 0-€-Sparplänen und Steuereinfachheit.
- Flatex ✓ steuereinfach – österreichische Niederlassung, dauerhaft kostenloses Depot, alle Handelsplätze.
- DADAT ✓ steuereinfach – österreichische Direktbank, Depotgebühr wird schrittweise abgeschafft.
- easybank ✓ steuereinfach – Marke der BAWAG P.S.K., österreichische Einlagensicherung.
- Erste Bank George (Selfinvest) ✓ steuereinfach – seit dem Relaunch 2026 mit Neobroker-Konditionen samt Filialbank.
- bankdirekt.at ✓ steuereinfach – Raiffeisen OÖ, eher für Buy-and-hold ohne Sparplan-Fokus.
Nicht steuereinfach sind dagegen:
- Scalable Capital nicht steuereinfach – hält am erklärten Ziel fest, bis Ende 2026 steuereinfach für Österreich zu werden (FMA-Registrierung erfolgt, aber noch kein Starttermin). Bis dahin volle Selbstveranlagung; immerhin gibt es einen kostenlosen österreichischen KPMG-Steuerreport, der die E1kv deutlich erleichtert – der Report für 2025 war Anfang Juni 2026 allerdings noch ausständig.
- Interactive Brokers nicht steuereinfach – kein österreichischer Steuerreport, nur Activity Statements; steuerlich die aufwendigste Lösung, oft nur mit Steuerberater oder Spezial-Tools praktikabel.
- XTB nicht steuereinfach – jährliche Steuerbescheinigung, aber kein KESt-Report nach österreichischer Logik.
- Trading 212 nicht steuereinfach – wurde 2026 zwar in Deutschland steuereinfach, für Österreich ist laut broker-test.at kurz- bis mittelfristig keine Lösung geplant.
Wann ein ausländischer Broker trotzdem passen kann
So klar der Komfortvorteil ist – die faire Abwägung hat zwei Seiten. Ein nicht steuereinfacher Broker kann passen, wenn:
- du ohnehin jährlich eine Steuererklärung machst (z. B. als Selbstständiger mit Steuerberater) und die E1kv nur ein Zusatzblatt ist,
- dein Setup bewusst simpel ist – etwa ein einziger ausschüttender Meldefonds-ETF ohne Verkäufe: dann bleiben die jährlichen Positionen überschaubar,
- du Konditionen oder Produkte brauchst, die es steuereinfach nicht gibt – etwa den internationalen Börsenzugang von Interactive Brokers,
- ein Anbieter glaubwürdig vor dem Umstieg steht – wer bereits bei Scalable ist, kann den angekündigten Wechsel zur Steuereinfachheit abwarten, sollte aber einkalkulieren, dass es noch keinen fixen Termin gibt.
Dagegen spricht die nüchterne Rechnung für die meisten ETF-Sparer: Seit Trade Republic steuereinfach ist, bekommst du 0-€-Sparpläne und automatische KESt-Abfuhr beim selben Anbieter – der klassische Trade-off „billig, aber Steuerarbeit" ist damit weitgehend entschärft. Auch Flatex (Aktions-ETF-Sparpläne ohne Ordergebühr) und DADAT (Gratis-Aktions-ETFs, Sparpläne ab 10 €) liegen preislich längst auf Neobroker-Niveau. Wer nur einen ETF-Sparplan besparen will, gibt mit einem ausländischen Broker also kaum noch Gebühren auf, handelt sich aber jahrzehntelange Erklärungspflichten ein.
Und wenn du später doch wechseln willst: Ein Umzug ist möglich, hat aber steuerliche Fallstricke – ein Depotübertrag gilt in Österreich grundsätzlich als steuerpflichtige Veräußerung, außer du überträgst auf ein eigenes Depot und die Meldung ans Finanzamt passiert korrekt (bei ausländischen Brokern musst du sie binnen eines Monats selbst erledigen). Auch das spricht dafür, die Steuerfrage vor der ersten Depoteröffnung zu klären statt danach.
Faustregel: Je einfacher dein Anlegerleben sein soll, desto klarer spricht alles für steuereinfach. Ausländische Broker kannst du dir „leisten", wenn Steuererklärungen für dich Routine sind oder du einen konkreten Grund hast, den es steuereinfach nicht gibt. Achte in beiden Fällen darauf, nur Meldefonds zu kaufen – sonst wird es auch mit Steuerberater teuer.
Häufige Fragen
Zahle ich bei einem steuereinfachen Broker mehr Steuern?
Nein. Die KESt beträgt in beiden Fällen 27,5 % – steuereinfach betrifft nur, wer die Abfuhr erledigt. Der Unterschied liegt im Aufwand und Fehlerrisiko, nicht in der Steuerhöhe.
Bis wann muss ich die E1kv abgeben?
Grundsätzlich bis 30.4. des Folgejahres in Papierform bzw. bis 30.6. über FinanzOnline, als Beilage zur Einkommensteuererklärung. Die Pflicht besteht für jedes Jahr, in dem steuerpflichtige Kapitalerträge angefallen sind – bei thesaurierenden Fonds also auch ohne Verkauf.
Wird Scalable Capital für Österreich steuereinfach?
Scalable hält am Ziel fest, bis Ende 2026 steuereinfach für Österreich zu werden; die FMA-Registrierung ist erfolgt, ein konkreter Starttermin wurde aber noch nicht genannt (Stand Juli 2026). Bis dahin gilt die volle Selbstveranlagung, erleichtert durch den kostenlosen KPMG-Steuerreport.
Was passiert, wenn ich Erträge beim Auslandsbroker nicht erkläre?
Die Steuerpflicht besteht unabhängig davon, ob der Broker meldet oder nicht. Wer Erträge nicht erklärt, riskiert Nachzahlungen und finanzstrafrechtliche Konsequenzen. Im Zweifel hilft eine Steuerberaterin oder ein Steuerberater bei der Aufarbeitung.