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Interactive Brokers im Test 2026: Profi-Broker mit Steuer-Aufwand

Interactive Brokers (Ireland) bietet das größte Börsen- und Produktuniversum aller Broker in unserem Vergleich – zu institutionellen Konditionen. Für österreichische Privatanleger ist es steuerlich aber die komplexeste Lösung.

Stand: Juli 2026
7,8/ 10

Kurzurteil: Interactive Brokers (IBKR) ist der Profi-Broker schlechthin: unschlagbare Auswahl, sehr niedrige Ordergebühren, flexible Recurring Investments. Aber: ✗ nicht steuereinfach – und anders als bei Scalable gibt es nicht einmal einen österreichischen Steuerreport. Du bekommst nur Activity Statements und musst die KESt komplett selbst berechnen. Für Steuer-Einsteiger ist das die falsche Adresse.

Stärken

  • Größte Börsen- und Produktauswahl im Vergleich, institutionelle Konditionen
  • 2.000-€-ETF-Order im Tiered-Modell ab ~1,25 € (0,05 %, Mindestgebühr)
  • Recurring Investments ohne separate Sparplangebühr, Bruchstücke, ab 1 USD/EUR
  • Keine Depotgebühr, keine Inaktivitätsgebühr mehr (seit 2021)
  • Cash-Verzinsung auf EUR-Guthaben vorhanden (an ESTR gekoppelt)

Schwächen

  • Steuerlich aufwändigste Lösung im Vergleich: kein AT-Steuerreport, nur Activity Statements
  • Statements rechnen nach FIFO – die KESt-Logik musst du selbst (oder ein Steuerberater) abbilden
  • Irische Anlegerentschädigung (ICS) nur max. 20.000 € (90 % des Verlusts)
  • Cash-Zinsen erst oberhalb eines Freibetrags von rund 10.000 €
  • Plattform und Gebührenmodelle für Einsteiger unnötig komplex

Konditionen im Überblick

Depotgebühr0 €
Order ~2.000 € (Xetra/gettex)~1,25 € (Tiered, 0,05 %, Mindestgebühr) zzgl. kleiner Börsen-/Clearingentgelte
ETF-SparplanRecurring Investments, keine separate Sparplangebühr (reguläre Ordergebühr je Ausführung)
Mindestrateab 1 USD/EUR
Steuereinfach✗ nein – kein AT-Steuerreport, nur Activity Statements
EinlagensicherungIrland: Investor Compensation Scheme (ICS), max. 20.000 € (90 % des Verlusts)

Gebühren im Detail

IBKR bietet zwei Preismodelle. Im Tiered-Modell kostet eine 2.000-€-ETF-Order über Xetra oder gettex 0,05 %, also rund 1,25 € (Mindestgebühr), zuzüglich kleiner Börsen- und Clearingentgelte. Das Fixed-Modell startet bei 3,00 € (Xetra); an der Wiener Börse gilt eine Mindestgebühr von 4,00 €. Für typische ETF-Ordergrößen ist Tiered praktisch immer die bessere Wahl.

Eine Depotgebühr fällt nicht an, und die früher gefürchtete Mindestaktivitäts- bzw. Inaktivitätsgebühr ist seit 2021 Geschichte. EUR-Guthaben werden verzinst – der Zins orientiert sich am Benchmark ESTR abzüglich eines Spreads und greift erst oberhalb eines Freibetrags von rund 10.000 €; den genau aktuellen Satz nennt IBKR tagesaktuell selbst. Ob die niedrigen Ordergebühren den Steuer-Mehraufwand für dich aufwiegen, kannst du grob im Kostenvergleichsrechner abschätzen.

ETF-Sparplan

Klassische Sparplan-Listen gibt es bei IBKR nicht – stattdessen Recurring Investments: Sparplanfähig ist damit praktisch das gesamte handelbare US-/EU-ETF-Universum. Eine separate Sparplangebühr fällt nicht an, allerdings zahlst du je Ausführung die reguläre Ordergebühr (~1,25 € min. im Tiered-Modell). Bruchstücke sind möglich, als Intervall stehen täglich, wöchentlich oder monatlich zur Wahl, die Mindestrate liegt bei 1 USD/EUR.

Rechne bei kleinen Raten kurz nach: Bei 100 € pro Monat entsprechen ~1,25 € bereits 1,25 % der Rate – gratis ausführende Anbieter im Sparplan-Vergleich sind hier günstiger. Bei größeren Raten relativiert sich das schnell. Für die Einrichtung hilft der Guide ETF-Sparplan einrichten.

Steuern: KESt-Handling

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Interactive Brokers führt keine österreichische KESt ab und stellt – anders als etwa Scalable Capital mit seinem KPMG-Report – keinen österreichischen Steuerreport bereit. Du bekommst lediglich Activity Statements, die nach FIFO rechnen (auf Antrag gleitender Durchschnitt). Die Übersetzung in die österreichische KESt-Logik ist komplett deine Aufgabe.

Was „nicht steuereinfach" bei IBKR konkret bedeutet: Du musst sämtliche Kapitalerträge – realisierte Kursgewinne, Dividenden, Zinsen und die ausschüttungsgleichen Erträge (agE) deiner thesaurierenden Meldefonds – selbst berechnen und über das Formular E1kv (Beilage zur Einkommensteuererklärung) erklären; Frist grundsätzlich 30.4. (Papier) bzw. 30.6. (FinanzOnline) des Folgejahres. Die agE werden jährlich mit 27,5 % besteuert, auch ohne Verkauf, und erhöhen deine steuerlichen Anschaffungskosten – die Werte je Fonds findest du in der OeKB-Liste (my.oekb.at). Achtung bei Fonds ohne OeKB-Meldung: Für Nicht-Meldefonds greift eine fast immer nachteilige Pauschalbesteuerung. Auch den Verlustausgleich im Kalenderjahr musst du selbst rechnen. Da die Statements FIFO nutzen, die KESt aber eigenen Regeln folgt, ist IBKR die aufwändigste Lösung in unserem Vergleich – viele Anleger brauchen dafür Steuerberater oder spezialisierte Tools. Grundlagen im Guide ETF-Steuern in Österreich, zum Nachrechnen: kestrechner.at.

Sicherheit & Einlagensicherung

AT-Kunden werden über Interactive Brokers Ireland geführt. Für Cash-Guthaben gilt das irische Investor Compensation Scheme (ICS): maximal 20.000 €, und davon nur 90 % des Verlusts – deutlich weniger als die 100.000 € gesetzlicher Einlagensicherung, die du bei banklizenzierten Anbietern gewohnt bist. Wertpapiere sind davon unabhängig als Sondervermögen geschützt. Praktische Konsequenz: Größere Cash-Bestände solltest du nicht dauerhaft auf dem Verrechnungskonto parken. Beim Wegzug von IBKR zu einer inländischen Bank gelten außerdem die Meldepflichten aus dem Guide Depotübertrag – bei ausländischen Brokern musst du den Übertrag selbst binnen eines Monats dem Finanzamt melden.

Für wen geeignet?

IBKR ist die richtige Wahl für erfahrene Anleger, die das größte Handelsuniversum, institutionelle Konditionen und flexible Recurring Investments wollen – und die Steuer-Selbstveranlagung entweder beherrschen oder auslagern. Trading 212 wickelt übrigens teilweise über IBKR ab, verpackt das Ganze aber einsteigerfreundlicher (zum Trading-212-Test). Wer einfach nur einen ETF-Sparplan ohne Steuer-Kopfweh will, ist bei steuereinfachen Anbietern wie Trade Republic, flatex oder DADAT besser aufgehoben – der Überblick steht im Depot-Vergleich.

FAQ

Ist Interactive Brokers in Österreich steuereinfach?

Nein. IBKR führt keine KESt ab und bietet keinen österreichischen Steuerreport – nur Activity Statements nach FIFO-Logik. Du musst alle Erträge inklusive ausschüttungsgleicher Erträge selbst berechnen und per E1kv erklären. Es ist die steuerlich aufwändigste Lösung in unserem Vergleich.

Was kostet eine ETF-Order bei Interactive Brokers?

Im Tiered-Modell rund 1,25 € für eine 2.000-€-Order über Xetra oder gettex (0,05 %, Mindestgebühr) plus kleine Börsen-/Clearingentgelte. Das Fixed-Modell startet bei 3,00 € (Xetra), die Wiener Börse kostet mindestens 4,00 €.

Gibt es bei IBKR ETF-Sparpläne?

Ja, über Recurring Investments: praktisch das gesamte handelbare US-/EU-ETF-Universum, ab 1 USD/EUR, mit Bruchstücken und täglichem, wöchentlichem oder monatlichem Intervall. Es gibt keine separate Sparplangebühr, aber je Ausführung fällt die reguläre Ordergebühr an.

Wie hoch ist die Einlagensicherung bei Interactive Brokers?

Für Cash gilt das irische Investor Compensation Scheme mit maximal 20.000 € (90 % des Verlusts). Wertpapiere sind als Sondervermögen separat geschützt. Große Cash-Beträge solltest du dort nicht dauerhaft liegen lassen.

Quellen

Profi-Konditionen oder Steuer-Komfort?

Der Depot-Vergleich zeigt dir, welcher Broker zu deinem Aufwand-Level passt – steuereinfach oder nicht.

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