etfdepot.at

StartWissen › Depotübertrag

Depotübertrag in Österreich: So wechselst du den Broker richtig

Zu teuer, zu unflexibel, nicht steuereinfach? Ein Depotübertrag ist einfacher als sein Ruf – wenn du Kosten, Wechselprämien und vor allem die österreichische Steuer-Meldepflicht kennst.

Stand: Juli 2026

Wann sich ein Broker-Wechsel lohnt

Typische Gründe für einen Depotübertrag: Der alte Anbieter verlangt laufende Depotgebühren, das Sparplan-Angebot ist zu klein oder zu teuer, oder – der häufigste Grund in Österreich – du willst von einem nicht steuereinfachen Broker zu einem steuereinfachen wechseln, um dir die jährliche E1kv-Selbstveranlagung zu ersparen. Auch nach Konditionsverschlechterungen des eigenen Anbieters oder wenn mehrere verstreute Depots zusammengelegt werden sollen, ist der Übertrag das Mittel der Wahl.

Wichtig zu verstehen: Ein Depotübertrag verschiebt deine Wertpapiere samt steuerlicher Historie von Bank zu Bank – du musst nichts verkaufen, bleibst durchgehend investiert und löst bei korrekter Abwicklung keine Steuern aus. Genau darin liegt der Vorteil gegenüber „verkaufen und drüben neu kaufen". Bevor du wechselst, lohnt der Blick in den Depot-Vergleich und den Kostenvergleichs-Rechner: Die laufende Ersparnis sollte die einmaligen Wechselkosten klar übersteigen – tut sie das, amortisiert sich der Wechsel meist in unter einem Jahr.

Der Ablauf in 5 Schritten

  1. Neues Depot eröffnen. Erst wenn das Zieldepot samt Verrechnungskonto aktiv ist, kann übertragen werden. Wie die Eröffnung läuft, steht im Guide ETF kaufen in Österreich.
  2. Übertragsauftrag beim neuen Broker stellen. Fast alle Banken bieten dafür ein Formular („Depotübertrag/Depotwechsel-Service"): Du gibst Depotnummer und Positionen des alten Depots an, der neue Broker kümmert sich um die Abwicklung mit dem Abgeber.
  3. Anschaffungsdaten mitliefern lassen. Entscheidend in Österreich: Der abgebende Broker muss die steuerlichen Anschaffungskosten mitübertragen. Zwischen inländischen Banken passiert das standardisiert; bei Überträgen von ausländischen Brokern solltest du Kaufabrechnungen aufheben, damit die neue Bank die Daten übernehmen kann – sonst drohen später falsche KESt-Bemessungen.
  4. Warten. Ein Übertrag zwischen inländischen Instituten dauert erfahrungsgemäß einige Tage bis wenige Wochen; aus dem Ausland kann es länger dauern. Während des Übertrags sind die Positionen nicht handelbar – plane das ein, wenn du zeitnah verkaufen willst.
  5. Altes Depot schließen. Erst nach vollständigem Eingang aller Positionen und der letzten Abrechnungen kündigen, damit keine Restgebühren oder verwaiste Ausschüttungen hängen bleiben.

Was der abgebende Broker verlangt

Der Eingang eines Übertrags ist beim neuen Broker praktisch immer kostenlos – zahlen musst du an den abgebenden Anbieter, und zwar pro Position (also pro ETF/Aktie, nicht pro Depot):

Abgebender BrokerKosten Depotübertrag (Ausgang)
flatex15,90 € pro Position
easybank22,80 € pro Position
bankdirekt.at30 € pro Position zzgl. USt

Ein Depot mit acht Positionen kostet beim Auszug aus flatex also 127,20 €. Wer viele kleine Positionen hält, kann vor dem Übertrag prüfen, ob es günstiger ist, Kleinstpositionen zu verkaufen und drüben neu zu kaufen – das löst allerdings KESt auf Gewinne aus, also vorher rechnen. Ein weiterer Sonderfall: Trading 212 – dort sind Depotüberträge laut broker-test.at teils gar nicht möglich; dann bleibt nur verkaufen, Geld überweisen und neu kaufen, mit allen Steuerfolgen.

Wechselprämien: Diese Broker zahlen dir den Umzug

Mehrere österreichische Anbieter erstatten die Spesen des alten Brokers oder zahlen Boni (Aktionen, Stand Juli 2026 – Bedingungen beim Anbieter prüfen):

  • DADAT: erstattet Neukunden Übertragsspesen bis 250 €.
  • bankdirekt.at: übernimmt im Rahmen der Neukundenaktion (Eröffnung 01.05.–30.09.2026) fremde Übertragsspesen bis 1.000 €.
  • Erste Bank George: zahlt bis 31.12.2026 einen Depotübertrag-Bonus von 1 % für Überträge über 50.000 € (max. 500 €).

Damit kann ein Wechsel unterm Strich sogar ein Plus-Geschäft sein: Die Ausgangsspesen des Abgebers holst du dir über die Erstattung des neuen Brokers zurück. Solche Aktionen sind befristet und ändern sich laufend – hol dir die aktuellen Bedingungen immer direkt beim Anbieter, bevor du den Übertragsauftrag stellst.

Die Steuerfrage: Übertrag gilt grundsätzlich als Veräußerung

Jetzt zum wichtigsten Österreich-Spezifikum, das viele Anleger nicht kennen: Steuerlich gilt ein Depotübertrag grundsätzlich als Veräußerung – als hättest du alle Positionen verkauft, inklusive 27,5 % KESt auf die Kursgewinne. Damit das nicht passiert, sieht das Gesetz Ausnahmen vor, die in der Praxis fast alle Wechsel abdecken – aber nur, wenn die Spielregeln eingehalten werden.

Österreich-Spezifikum – die Ausnahmen und deine Meldepflicht:
  • Übertrag auf ein Depot desselben Steuerpflichtigen: keine Veräußerung. Überträgt eine inländische Bank, meldet sie den Vorgang automatisch dem Finanzamt – du musst nichts tun.
  • Übertrag von/zu einem ausländischen Broker: Hier musst du selbst den Übertrag binnen eines Monats dem Finanzamt melden (mit den nötigen Daten zum Übertrag), sonst gilt er als steuerpflichtige Veräußerung. Diese Frist ist die häufigste Stolperfalle beim Wechsel von Anbietern wie Interactive Brokers, XTB oder Scalable Capital.
  • Unentgeltliche Übertragung (Schenkung, Erbschaft): mit entsprechendem Nachweis ebenfalls keine Veräußerung.

Der Übertrag selbst löst bei korrekter Abwicklung also keine Steuer aus – deine Anschaffungskosten und damit die spätere KESt-Basis wandern einfach mit. Wie die Besteuerung beim späteren Verkauf funktioniert, erklärt der Guide ETF & Steuern in Österreich; überschlagen kannst du sie mit dem KESt-Rechner auf kestrechner.at.

Checkliste vor dem Übertrag

Damit der Wechsel reibungslos läuft, geh diese Punkte der Reihe nach durch – die meisten Probleme beim Depotübertrag entstehen durch vergessene Kleinigkeiten, nicht durch die Banken:

  • Zieldepot eröffnet und steuereinfach? (Warum das zählt)
  • Ausgangsspesen des Abgebers ermittelt (pro Position!) und Erstattungsaktion des neuen Brokers geprüft?
  • Laufende Sparpläne beim alten Broker gestoppt?
  • Kaufabrechnungen/Anschaffungsdaten gesichert (v. a. bei ausländischen Brokern)?
  • Bei Auslandsbezug: Kalendereintrag für die Finanzamt-Meldung binnen eines Monats gesetzt?
  • Altes Depot erst nach vollständigem Übertrag gekündigt?

FAQ: Depotübertrag in Österreich

Wie lange dauert ein Depotübertrag?

Zwischen inländischen Banken meist einige Tage bis wenige Wochen, aus dem Ausland teils deutlich länger. Während des Übertrags kannst du die betroffenen Positionen nicht handeln – wichtige Verkäufe also vorher oder nachher einplanen.

Muss ich beim Depotübertrag Steuern zahlen?

Bei korrekter Abwicklung nein: Der Übertrag auf ein Depot desselben Steuerpflichtigen ist keine Veräußerung. Inländische Banken melden automatisch; bei ausländischen Brokern musst du selbst binnen eines Monats ans Finanzamt melden. Versäumst du das, wird der Übertrag wie ein Verkauf mit 27,5 % KESt behandelt.

Kann ich nur einen Teil meines Depots übertragen?

Ja, Teilüberträge einzelner Positionen sind üblich – die Ausgangsspesen fallen ohnehin pro Position an. Das kann sinnvoll sein, um etwa nur die langfristigen ETF-Positionen zum günstigeren Broker zu ziehen und den Rest zu verkaufen.

Was passiert mit meinem Sparplan beim Wechsel?

Sparpläne wandern nicht mit – sie müssen beim alten Broker gestoppt und beim neuen neu angelegt werden. Die bereits angesparten Anteile überträgst du wie jede andere Position. Wie du den Sparplan drüben optimal einstellst, zeigt der Guide ETF-Sparplan einrichten.

Quellen

Wohin soll die Reise gehen?

Finde den Broker, zu dem sich der Umzug lohnt – alle Gebühren und Wechselaktionen im Überblick.

Zum Depot-Vergleich →