Ist Trading 212 in Österreich steuereinfach?
Nein. Trading 212 führt für Österreich keine Kapitalertragsteuer ab. Dass der Broker 2026 in Deutschland steuereinfach wurde, betrifft nur das deutsche Steuersystem – deutsche Abgeltungsteuer ist nicht die österreichische KESt. Laut broker-test.at ist eine steuereinfache Lösung für Österreich auch kurz- bis mittelfristig nicht geplant, und einen Steuerreport nach österreichischer Logik gibt es nicht.
Du musst deshalb jedes Jahr eine Einkommensteuererklärung mit der Beilage E1kv abgeben – Frist grundsätzlich 30. April (Papier) bzw. 30. Juni (FinanzOnline) des Folgejahres. Die KESt beträgt 27,5 % (Bankzinsen 25 %), und zwar ab dem ersten Euro. Wie steuereinfache Broker das lösen, erklärt der Guide Steuereinfacher Broker.
Was alles steuerpflichtig ist
- Realisierte Kursgewinne aus Aktien und ETFs – auch aus Bruchstücken und aus dem Umschichten innerhalb eines Pies.
- Dividenden und ETF-Ausschüttungen, abzüglich anrechenbarer Quellensteuer.
- Ausschüttungsgleiche Erträge (agE) thesaurierender ETFs – jedes Jahr, auch wenn du nichts verkaufst.
- Zinsen auf nicht investiertes Guthaben. Trading 212 hält das Cash teils bei Banken, teils in Geldmarktfonds. Bankzinsen unterliegen 25 %, Geldmarktfonds-Erträge sind Fondserträge mit 27,5 %. Welcher Anteil wohin gehört, steht im Jahresauszug – im Zweifel mit einer Steuerberatung klären.
- Cashback- und Bonusgutschriften: Auch sie können steuerpflichtig sein. Wie sie einzuordnen sind, hängt von der Art der Aktion ab.
Unrealisierte Buchgewinne bleiben dagegen steuerfrei, solange du nicht verkaufst (außer bei den agE thesaurierender Fonds).
Die E1kv-Kennzahlen
Alle Werte gehören in die Spalte „Kapitaleinkünfte ohne KESt-Abzug". Laut BMF-Formular E1kv 2025 (Version vom 27.06.2025):
| Was | Kennzahl | Steuersatz |
|---|---|---|
| Dividenden aus Einzelaktien | 863 | 27,5 % |
| Realisierte Kursgewinne | 994 | 27,5 % |
| Realisierte Kursverluste | 892 | – |
| Ausschüttungen von ETFs/Fonds | 898 | 27,5 % |
| Ausschüttungsgleiche Erträge thesaurierender ETFs | 937 | 27,5 % |
| Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten | 861 | 25 % |
| Anrechenbare ausländische Quellensteuer (27,5-%-Einkünfte) | 998 | – |
Gewinne und Verluste trägst du getrennt ein; den Verlustausgleich innerhalb des Jahres rechnet das Finanzamt. Verluste aus Wertpapieren dürfen nicht mit Bankzinsen verrechnet werden, und ein Verlustvortrag ins nächste Jahr ist nicht möglich. Die ausschüttungsgleichen Erträge holst du dir aus der OeKB-Fondsliste (my.oekb.at): Wert je Anteil mal deine Anteile zum Meldestichtag. Die versteuerten agE erhöhen deine Anschaffungskosten – sonst zahlst du beim Verkauf doppelt. Mehr dazu im Guide Meldefonds; nachrechnen kannst du auf kestrechner.at.
Pies & AutoInvest: der Aufwand mit vielen Käufen
Gerade das, was Trading 212 so bequem macht, macht die Steuer aufwendig: Ein Pie mit fünf ETFs und wöchentlichem AutoInvest erzeugt im Jahr Hunderte kleine Käufe – teils in Bruchstücken. Für die österreichische Steuer gilt der gleitende Durchschnittspreis je Wertpapier. Bei jedem Verkauf, auch beim automatischen Rebalancing, musst du den Gewinn auf dieser Basis selbst ermitteln. Der Jahresauszug des Brokers rechnet nicht nach österreichischer Methode.
Tipp für weniger Aufwand: Rebalancing im Pie verursacht Verkäufe und damit steuerpflichtige Gewinne. Wer stattdessen nur über neue Einzahlungen gewichtet und thesaurierende Meldefonds-ETFs hält, kommt mit wenigen Zeilen in der E1kv aus: eine agE-Zeile je ETF und Jahr.
Für wen sich Trading 212 trotzdem lohnt
Trading 212 ist komplett gebührenfrei – aber der Preis ist die jährliche Steuerarbeit und eine Einlagensicherung über den zypriotischen Fonds von maximal 20.000 €. Für Einsteiger, die einfach einen ETF-Sparplan wollen, gibt es inzwischen ebenso günstige steuereinfache Alternativen: Trade Republic und seit Oktober 2026 Scalable Capital haben 0-€-Sparpläne mit automatischer KESt-Abfuhr. Trading 212 lohnt sich vor allem für Anlegerinnen und Anleger, die ohnehin eine Steuererklärung machen und die Pie-Funktionen gezielt nutzen wollen.
Wer wechseln will: Depotüberträge von Trading 212 sind teils nicht möglich, und Überträge von ausländischen Brokern musst du unter Umständen selbst dem Finanzamt melden. Details im Guide Depotübertrag.
Häufige Fragen
Ist Trading 212 in Österreich steuereinfach?
Nein. Trading 212 ist 2026 nur in Deutschland steuereinfach geworden. Für Österreich führt der Broker keine KESt ab, und eine Lösung ist laut broker-test.at nicht geplant.
Welche Kennzahlen brauche ich für Trading 212 in der E1kv?
Die Spalte ohne KESt-Abzug: 863 für Dividenden, 994 für Kursgewinne, 892 für Kursverluste, 898 für ETF-Ausschüttungen, 937 für ausschüttungsgleiche Erträge, 861 für Bankzinsen und 998 für anrechenbare Quellensteuer (Formular E1kv 2025).
Muss ich die Zinsen von Trading 212 versteuern?
Ja. Zinsen aus Bankeinlagen unterliegen 25 % (Kennzahl 861), Erträge aus Geldmarktfonds sind Fondserträge mit 27,5 %. Trading 212 hält das Cash teils so, teils so – die Aufteilung steht im Jahresauszug.
Gibt es einen österreichischen Steuerreport von Trading 212?
Nein. Es gibt Jahresauszüge, aber keinen Report nach österreichischer KESt-Logik. Durchschnittspreise und ausschüttungsgleiche Erträge musst du selbst ermitteln oder ein Steuer-Tool bzw. eine Steuerberatung nutzen.
Quellen
- BMF: Formular E1kv 2025 mit Erläuterungen (Version 27.06.2025)
- broker-test.at: Trading 212 wird in Deutschland steuereinfach
- broker-test.at: Trading 212 Depot
- OeKB: Fondsdaten und ausschüttungsgleiche Erträge
Weiterlesen: Gebühren, Pies und Sicherheit im ausführlichen Trading-212-Test; die gleiche Anleitung für den Profi-Broker im Guide Interactive Brokers & Steuern.
Gratis-Sparplan ohne Steuerarbeit?
Alle steuereinfachen Broker Österreichs mit Gebühren und Bewertung im Überblick.