Schritt 1: Den richtigen Broker wählen
Die Depoteröffnung selbst ist in 15 Minuten erledigt – die Entscheidung davor begleitet dich dagegen oft jahrelang. Drei Kriterien solltest du in dieser Reihenfolge prüfen:
1. Steuereinfach oder nicht? Das ist für Anleger in Österreich die wichtigste Weichenstellung. Ein steuereinfacher Broker behält die Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 % automatisch ein und führt sie ans Finanzamt ab – deine Erträge sind endbesteuert, der Verlustausgleich im Depot läuft automatisch. Bei einem nicht steuereinfachen Broker (etwa Scalable Capital, XTB, Trading 212 oder Interactive Brokers, Stand Juli 2026) musst du dagegen jedes Jahr alle Erträge selbst per Formular E1kv erklären – inklusive der ausschüttungsgleichen Erträge thesaurierender Fonds. Warum dieser Punkt so schwer wiegt, liest du im Guide Steuereinfacher Broker.
2. Gebühren, die zu deinem Verhalten passen. Entscheidend sind Depotgebühr und die Orderkosten für deine typische Ordergröße. Die Spanne ist groß: Bei Trade Republic kostet das Depot 0 € und eine Order 1 € Fremdkostenpauschale, bei Flatex ist das Depot ebenfalls gratis, eine 2.000-€-Order an der Wiener Börse kostet rund 7,70 €. Traditionelle Banken verrechnen teils prozentuale Depotgebühren (easybank und bankdirekt.at je 0,12 % p.a., oft durch Neukunden-Aktionen ausgesetzt). Den Überblick liefert der Depot-Vergleich, dein persönliches Szenario rechnet der Kostenvergleichs-Rechner durch.
3. Sparplan-Angebot. Wenn du regelmäßig investieren willst, zählen Ausführungsgebühr, Mindestrate und ETF-Auswahl: Trade Republic führt alle ETF-Sparpläne ab 1 € Rate gratis aus, Flatex verrechnet 1,50 € je Ausführung (über 600 Aktions-ETFs gratis). Details und Einrichtung erklärt der Guide ETF-Sparplan einrichten, die Konditionen vergleicht der Sparplan-Vergleich.
Schritt 2: Was du für die Eröffnung brauchst
Für die eigentliche Eröffnung brauchst du überraschend wenig – halte diese Dinge bereit, dann geht der Antrag in einem Durchgang durch:
- Amtlicher Lichtbildausweis: Reisepass oder Personalausweis, gültig und im Original – du zeigst ihn bei der Video-Identifizierung in die Kamera.
- Adressnachweis: Broker gleichen deine Wohnadresse meist automatisch ab. Einzelne Banken verlangen einen Nachweis – in Österreich ist das üblicherweise die Meldebestätigung (der frühere „Meldezettel"), die du beim Gemeindeamt oder online über das Zentrale Melderegister bekommst.
- IBAN deines Girokontos: Es dient als Referenzkonto, von dem du einzahlst und auf das Auszahlungen zurückfließen. Wichtig: Es muss auf deinen Namen lauten.
- Angaben zur Steuer-Ansässigkeit: Wegen der internationalen Meldestandards (CRS/FATCA) fragt jeder Broker, wo du steuerlich ansässig bist. Hast du eine österreichische Steuernummer, gib sie an; viele Privatanleger haben keine – das lässt sich im Antrag in der Regel so vermerken.
- W-8BEN nur bei US-Werten: Wer US-Aktien oder deren Dividenden plant, unterschreibt das US-Formular W-8BEN, damit die US-Quellensteuer auf Dividenden reduziert wird. Die meisten Broker wickeln das digital direkt im Eröffnungsprozess ab – du musst nichts vorbereiten. Für klassische UCITS-ETFs mit Sitz in Irland oder Luxemburg brauchst du es nicht.
Schritt 3: Online-Antrag & Identifizierung
Die Eröffnung läuft heute bei fast allen Anbietern vollständig digital und dauert typischerweise 10 bis 20 Minuten:
- Antrag ausfüllen: Persönliche Daten, Beruf, Steuer-Ansässigkeit und Fragen zu deiner Anlageerfahrung. Letztere sind gesetzlich vorgeschrieben (Anlegerschutz) und bestimmen, welche Produktklassen du handeln darfst – für ETFs reicht die niedrigste Stufe fast immer aus.
- Identifizieren: Standard ist Video-Ident (kurzer Videocall, Ausweis in die Kamera) oder Foto-Ident direkt in der App; einige Anbieter bieten alternativ Bank-Ident an, bei dem du dich über eine Referenzüberweisung von deinem bestehenden Girokonto legitimierst. Ausnahmen gibt es: Bei XTB ist für Österreicher laut Broker-Test nur die Legitimierung per Post-Ident möglich. Filialbanken wie die Erste Bank eröffnen das Depot auf Wunsch auch persönlich in der Filiale.
- Freischaltung abwarten: Nach erfolgreicher Identifizierung wird das Depot eingerichtet – je nach Anbieter und Andrang noch am selben Tag oder innerhalb weniger Werktage. Du bekommst Zugangsdaten bzw. aktivierst die App.
Schritt 4: Ersteinrichtung des Depots
Mit der Freischaltung ist das Depot da – handeln kannst du aber erst nach ein paar Handgriffen:
- Verrechnungskonto befüllen: Zu jedem Depot gehört ein Verrechnungskonto, über das Käufe, Verkäufe und Ausschüttungen laufen. Überweise von deinem Girokonto einen Startbetrag – erst mit Guthaben kannst du die erste Order aufgeben.
- Referenzkonto prüfen: Kontrolliere, dass dein Girokonto korrekt als Referenzkonto hinterlegt ist. Auszahlungen gehen aus Sicherheitsgründen nur dorthin.
- Handelsplätze und Dokumente freischalten: Bei manchen Brokern musst du einzelne Handelsplätze (z. B. Auslandsbörsen) aktiv freischalten und Kosteninformationen bzw. Basisinformationsblätter bestätigen, bevor die erste Order möglich ist. Prüfe auch gleich, ob Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiv ist.
- Sparplan oder Ersteinkauf anlegen: Ab jetzt gilt die eigentliche Kür – ETF auswählen und kaufen. Wie das geht, zeigt Schritt für Schritt der Guide ETF kaufen in Österreich; worauf du bei der Fondsauswahl steuerlich achten solltest, erklärt der Guide Meldefonds.
Schritt 5: Häufige Stolperfallen vermeiden
Die meisten Fehler bei der Depoteröffnung kosten kein Geld bei der Eröffnung selbst – sondern später, in Form von Gebühren oder Steuer-Bürokratie:
- Depotgebühr übersehen: 0 € Ordergebühr nützt wenig, wenn das Depot laufend kostet. Achte auf prozentuale Depotgebühren (z. B. 0,12 % p.a. bei easybank und bankdirekt.at, 0,216 % p.a. bei Erste Bank George oberhalb von 50.000 € Depotwert) – und darauf, wann Neukunden-Aktionen auslaufen.
- Falsche Kontodaten: Einzahlungen müssen vom eigenen Konto kommen; Überweisungen von fremden Konten werden aus Geldwäsche-Gründen zurückgewiesen und verzögern den Start.
- Anlageerfahrung zu niedrig angegeben: Wer im Antrag pauschal „keine Erfahrung" ankreuzt, muss ETF-Handel teils erst später freischalten lassen. Antworte ehrlich, aber vollständig.
- Depot nur nach der Prämie gewählt: Wechselprämien und Aktions-Konditionen sind nett, aber ein Depot behältst du oft viele Jahre – die Basisgebühren zählen mehr als der Bonus.
FAQ: Depot eröffnen in Österreich
Wie lange dauert es, ein Depot zu eröffnen?
Der Online-Antrag inklusive Video-Identifizierung dauert typischerweise 10 bis 20 Minuten. Die Freischaltung erfolgt je nach Anbieter noch am selben Tag oder innerhalb weniger Werktage; danach musst du nur noch Geld aufs Verrechnungskonto überweisen, bevor du die erste Order aufgeben kannst.
Was kostet die Depoteröffnung?
Die Eröffnung selbst ist bei allen im Depot-Vergleich gelisteten Anbietern kostenlos. Laufende Kosten unterscheiden sich aber deutlich: Trade Republic und Flatex verrechnen 0 € Depotgebühr, easybank und bankdirekt.at 0,12 % p.a. (aktuell durch Neukunden-Aktionen ausgesetzt), Erste Bank George ist bis 50.000 € Depotwert gratis. Dazu kommen Order- und Sparplangebühren je nach Nutzung.
Darf ich mehrere Depots gleichzeitig haben?
Ja, es gibt keine Obergrenze – etwa ein steuereinfaches Depot für den langfristigen ETF-Sparplan und ein zweites zum Testen. Beachte: Der automatische Verlustausgleich läuft nur innerhalb des jeweiligen Depots einer steuereinfachen Bank. Verluste und Gewinne über mehrere Broker hinweg kannst du nur selbst über die Steuererklärung ausgleichen. Wer später zusammenlegen will, sollte den Guide Depotübertrag lesen.
Kann ich ein Depot für mein Kind eröffnen?
Ja, mehrere österreichische Anbieter bieten Depots auf den Namen des Kindes an; alternativ sparen manche Eltern in einem eigenen Depot „für das Kind" mit. Beide Wege haben rechtliche und steuerliche Eigenheiten – Details, Anbieter und ein Rechenbeispiel findest du im Guide Depot für Kinder in Österreich.